Zur Homepage der Verkehrswerkstatt.de
 Pressearchiv    1998/I      Suchen   Gewusst wie   Info 
  Pressearchiv

Jacobsdrehgestell "a priori nicht besser" als das "MD 530" im ICE

Bahntechnik: Kein System ist gegen Katastrophen gefeit

VDI nachrichten 12.06.1998, S. 05

Von Friedhelm Weidelich/WOP

Jacobsdrehgestelle, wie sie im TGV eingesetzt werden, sind "a priori nicht besser" als die ICE-Laufdrehgestelle "MD 530" aus der bewährten "Minden-Deutz"-Familie, erklärte Ordinarius Prof. Dr.-Ing. Wulf Schwanhäußer, Verkehrswissenschaftliches Institut der RWTH Aachen, gegenüber den VDI nachrichten.
Der französische Zugverband ohne Wagenkupplung, bei der jeweils ein Ende eines Mittelwagens mit dem des nachfolgenden Wagens auf einem Jacobsdrehgestell aufliegen, wodurch diese verbunden sind, und die Wagen im Gegensatz zum ICE über zwei statt vier Achsen verfügen, genieße bei den meisten deutschen Maschinenbauingenieuren kein Ansehen. Es spreche aus seiner Sicht nichts gegen die klassischen Drehgestelle. Bei Jacobsdrehgestellen käme es sehr darauf an, wo sich die Drehzapfen befänden. Der TGV habe eine sehr gute Lösung, weil dort Gabel und Deichsel nahe am Schwerpunkt liegen. Dennoch hätten die Franzosen bei einer TGV-Entgleisung mit 300 km/h großes Glück gehabt, so Schwanhäuser, daß keine Brücke im Weg gestanden habe.
Die TGV-Lösung könne jedoch dazu führen, daß bei einer Zugtrennung ein Wagenkasten ohne Drehgestell weiterrutsche, mit wahrscheinlich noch verheerenderen Folgen als beim ICE-Unglück. Auch beim TGV, der nur aus Gründen der Gewichtseinsparung und höherer Belastung der Achsen so gebaut wurde, sei ein Ausknicken nicht ausgeschlossen, so der Ordinarius.
"Ob die deutsche Konstruktion schlechter ist, ist meines Erachtens strittig", sagte Schwanhäuser. Nach vorliegenden Informationen sei die dritte Achse des ersten ICE-Wagens beschädigt worden. "Das ist aber noch keine ausreichende Erklärung für den Unfall, denn der Wagen im Zugverband hätte trotz einer Entgleisung weiterrollen müssen." Man werde die genauen Untersuchungen abwarten müssen, so Schwanhäuser, um die Ursachen zu finden.
  Schlagwörter: Verkehr, Verkehrsmittel, Eisenbahn, ICE, Technik, Sicherheit, Konstruktion, Unglück, Unfall, Mensch, Folgen, Ursache, Ökonomie, Kosten, Verkehrswerkstatt, Deutschland
  Verkehrswerkstatt.de
Dieser Beitrag wird im Einvernehmen mit den Verlagen bzw. den Autoren vom Landesinstitut für Schule und Medien (ehemals Landesbildstelle Berlin) für die Verkehrswerkstatt genutzt. Texte und Abbildungen dürfen nur im Unterricht an öffentlichen Schulen genutzt werden. Ein kommerzieller Einsatz oder eine weitere Publikation ist ohne ausdrückliche Zustimmung in jedem Fall untersagt!
aktualisiert: 29.10.2003
 
   wir-in-berlin    Verkehrswerkstatt    Team    Post   ^   
 Pressearchiv der Verkehrswerkstatt - Ein Angebot auf dem Berliner Bildungsserver für Schulen